Blick der Fachschule über den Tellerrand

Studienfahrt der Norddeutschen Fachschule für Gartenbau, Außenstelle Ellerhoop

Traditionell fahren die Lehrkräfte der Norddeutschen Fachschule für Gartenbau in Ellerhoop vor den Herbstferien mit den angehenden GärtnermeisterInnen des aktuellen Jahrgangs auf eine Exkursion, um interessante gärtnerische Ziele anzusteuern und das soziale Miteinander zu stärken. Was lag in diesem Jahr näher, Erfurt, der Veranstaltungsort der Bundengartenschau, als zu Ziel zu wählen? Einzig allein der lange Fahrweg war ein Argument dagegen, so dass überlegt wurde, den Hin- und Rückweg durch lohnende Zwischenstopps zu splitten. Dank der Initiative einzelner Schüler fand sich das Forstamt Bad Lauterberg mit seinem Forstreferendar Janosch Henke bereit, vor Ort über die derzeitigen forstwirtschaftlichen Probleme zu berichten. Natürlich war allen TeilnehmerInnen im Vorfeld klar, dass die Trockenheit der letzten Jahre und der damit zusammenhängende Befall durch den Borkenkäfer nicht spurlos an den Wäldern des Harzes vorbeigegangen sein konnten. Aber es war etwas ganz anderes, diese Problematiken fachkundig vor Augen geführt und auch die volks- und betriebswirtschaftlichen Folgen dargestellt zu bekommen, die uns bis in die nächsten Generationen verfolgen werden. Was macht man mit diesen abgestorbenen Forstflächen, die aus Gefährdungsgründen nicht betreten werden können, für die nicht genügend Mitarbeiter zur Waldbewirtschaftung zu Verfügung stehen und für die es noch nicht einmal genügend Jungpflanzen für die Wiederaufforstung gibt? Etwas deprimiert und mit vielen offenen Fragen wurde Erfurt erreicht, um mit dem Besuch der Kakteen-Gärtnerei Haage einen ganz anderen Blick auf das Thema Pflanze und Mensch zu erhalten. Die seit 1822 existierende Gartenbaubetrieb ist allen Sukkulenten-Freunden weltweit ein Begriff und wird auch allen Beteiligten der Exkursion unvergesslich bleiben. Eine atemberaubende Vielfalt der Pflanzenfamilie der Kaktusgewächse betreut und versorgt von einem engagierten Team ist eine weite Reise wert! Der Charme gartenbaulicher Patina macht diesen Ort zu einem besonderen auf der gärtnerischen Landkarte und ist ein Fixpunkt in der langen Erfurter Gartentradition.

Zu dieser Tradition gehört auch das Gelände der „Ersten Internationalen Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder“ aus dem Jahr 1961, auf dem großenteils die diesjährige Bundesgartenschau stattfand. Der sogenannte Egapark in Erfurt bietet mit seinen imposanten und artenreichen Gehölzbestand sowie gartenhistorisch bedeutsamen Anlagen einen würdigen Rahmen für die Gartenschau, deren Umsetzung auch dafür sorgt, die bestehenden Flächen zu restaurieren und weiterzuentwickeln, ohne den Genius loci der 60er Jahre zu zerstören. Eine Führung durch die Themengärten des Fachverbands Garten- und Landschaftsbau Thüringen-Hessen lud aufgrund der präsentierten technischen Lösungen und Ausführungen zu intensiven Diskussionen ein, die gerade in Hinblick auf die Qualitätssicherung des Berufstandes Fragen offenließen. Enttäuscht waren die Teilnehmer, dass die Anlagen des Berufswettbewerbs im Garten- und Landschaftsbau, der auf dem Petersberg innenstadtnah stattfand, bereits nach zwei Tagen abgebaut waren, denn gerne hätten sich die zukünftigen PrüferInnen kritisch mit den Leistungen des Nachwuchses auseinandergesetzt.

Auf dem Rückweg ging es nicht nur wieder Richtung Norden, sondern vorerst Richtung Erdmittelpunkt: Mit 800 Metern Teufe - die bergmännische Bezeichnung für die Tiefe – war es für die meisten Teilnehmer eine ganz neue Erfahrung und ein wiederum neuer Blick auf die Gewinnung von Bodenschätzen. Im Erlebnisbergwerk Merkers wird den Besuchern beeindruckend der Kali-Abbau präsentiert und die Fahrt im offenen LKW auf Teilen des rund 4600 km langen unterirdischen Streckennetzes ist ein beeindruckendes Erlebnis. Doch alle Gärtnerinnen und Gärtner waren dann froh, wieder ans Sonnenlicht zu kommen und neue Blickwinkel auf die Welt erhalten zu haben.

Text: Dipl.-Ing. Leonhard Peters, Lehrkraft der Norddeutschen Fachschule für Gartenbau an der Beruflichen Schule Elmshorn, Außenstelle Thiensen, Ellerhoop

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