Wenn es sich für eine Fachschule anbietet, ein skandinavisches Land – in diesem Falle Dänemark - als Exkursionsziel auszuwählen, dann doch wohl für die Norddeutsche Fachschule für Gartenbau in Ellerhoop. Die Region Odense und Kopenhagen stellte sich als lohnendste Destination heraus und zügig wurde gemeinsam mit dem aktuellen Jahrgang, der sich mit dem einjährigen Schulbesuch auf die Meisterprüfung 2019 vorbereitet, ein Programm zusammengestellt, Reisebusunternehmen kontaktiert und Unterkünfte gebucht. Für den Jahrgang war klar, geschlossen zu fahren, das heißt, dass Produktionsbereich (Baumschule und Zierpflanzenbau) und die Dienstleistung (Garten- und Landschaftsbau und Friedhofsgärtnerei) gemeinsam gartenbauliche interessante Betriebe ansteuern wollten. Der berühmte „Blick über den Tellerrand“ ist die Grundlage für das Verständnis der Interaktionen innerhalb der gärtnerischen Fachsparten. Wenn es aber zu speziell wurde, trennten sich die Gruppen, so auch auf der Hinfahrt, als auf der einen Seite ein hochspezialisierter Zierpflanzenbetrieb besucht wurde.

Die Gärtnerei Thoruplund produziert ihre Pflanzen unter Glas. Mit 70 Mitarbeitern werden auf 3,9 ha eigener Gewächshausfläche und 1,7 ha zugepachteter Fläche pro Jahr ca. 2,5 Mio. Glockenblumen und 2 Mio. Weihnachtskakteen als Hauptkultur produziert. Die Jungpflanzen für die Anzucht der Weihnachtskakteen bekommt der Betrieb wöchentlich aus der Türkei und Vietnam geliefert.  Viel Wert wird auf strenge hygienische Standards und dem Einsatz von Nützlingen beim Pflanzenschutz gelegt. Und auch die Nutzung von Regenwasser zur Bewässerung und der Einbau von Energieschirmen in den Gewächshäusern tragen dazu bei, die Kulturen möglichst ressourcenschonend anzubauen. Hauptabnehmer der Weihnachtskakteen sind vor allem deutsche Großkunden.

Auf der anderen Seite wurde ein Unternehmen besucht, das norddeutschen Klinker auf dem skandinavischen Markt vertreibt. Nach Aussagen des Inhabers der Firma Steffen Sten in Odense, dem in Deutschland geborenen Michael Steffen, ist der deutsche Klinker dem dänischen in puncto Haltbarkeit überlegen und findet deshalb in Dänemark guten Absatz. Die Firma handelt insbesondere mit Riegelformaten des Klinkerproduzenten Hagemeister, dessen grau und beige Farbvarianten im Norden besonders gern verwendet werden. So arbeitet auch die Garten- und Landschaftsbaufirma Skov Larsen neben Sandsteinprodukten häufig mit Pflasterziegeln. Geschäftsführerin Marianne Larsen führte gemeinsam mit der Landschaftsgärtnerin Anne Møllegaard Rasmussen über den Betriebshof, auf dem die gewissenhafte Trennung des Abfalls in über zwölf Fraktionen auffiel. Dass diese Galabau-Firma besonders viel Wert auf die Ausbildung legt, beweist die ehemalige Auszubildende Anna, die dänische Meisterin und dritte der Worldskills Europe wurde.

Foto mit der GaLaBau-Unternehmerin Marianne Larsen
Besuch der Firma Skov Larsen, rechts Inhaberin Marianne Larsen

 

Gemeinsam als Gärtnerklasse wurde im Anschluss die Möllegarden Planteskole in Ringe besucht. Der Inhaber Lars Strarup und seine Mitarbeiter begrüßten auf dem Betriebshof mit Kaffee und Kuchen und dann ging es per Traktor und Anhänger in die Quartiere. Diese Baumschule hat sich auf stark geschnittene Heckenpflanzen und Bodendecker als Rollware spezialisiert. Hier staunten Lehrkräfte und Schüler über Produktionsmethoden, die sie so in Deutschland noch nicht gesehen hatten. Der Besuch der großen Maschinenhalle offenbarte eine Vielzahl von hochspezialisierten raffinierten Maschinen, die Einige auch gerne im Einsatz gesehen hätten.

Höhepunkt der Exkursion war ein sonniger Tag in Kopenhagen, der Hauptstadt der Fahrräder, der natürlich auch auf dem Zweirad begangen wurde. Die faszinierende Infrastruktur für die Radler mit eigenen Hafenbrücken, in Fahrtrichtung geneigten Abfalleimern, Abstützhilfen an Ampeln und Radschnellwegen wurde auf einer Rundfahrt ausgiebig getestet. Der Radverkehr ist so intensiv, dass an jeder Ampel fast drei Rotphasen benötigt wurden, um alle 25 Schülerinnen und Schüler über die Straße zu bekommen. Neben den klassischen Sightseeing-Höhepunkten wie der Kleinen Meerjungfrau, dem Schloss Amalienborg und der Oper wurden gärtnerische Sehenswürdigkeiten wie der Botanische Garten, der Assistenz-Friedhof, der Schaugarten der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität und der Schlossgarten Friedrichsberg besichtigt. Als dann die Schülerinnen und Schüler auch noch unversehrt durch die staatlich geduldete autonome Gemeinde Christiania gelotst wurden, waren die Lehrkräfte froh, ohne Verluste und Unfälle mit dem Zweirad durch die dänische Hauptstadt gekommen zu sein.

Klassenfoto auf Fahrrädern
Kopenhagen mit dem Fahrrad - ein großes Abenteuer!

 

Die Rückfahrt wurde von den Schülerinnen und Schülern genutzt, um den versäumten Schlaf durch den abendlichen Besuch des Tivolis aufzuholen, und um die auf dem Weg liegende Produktionsfirma by Growers zu besichtigen. Dieser Zierpflanzenbaubetrieb hat sich vor vier Jahren aus sieben Gärtnereien an vier Standorten zu einem Unternehmen zusammengeschlossen. Im gesamten Unternehmen sind 90 Mitarbeiter beschäftigt davon 30 bis 35 Mitarbeiter in dem besuchten Betriebsteil. Dieser produziert auf 15 ha insgesamt 25 verschiedene Kulturen und verkauft etwa 25 – 26 Millionen Pflanzen pro Jahr.  Die Jungpflanzen werden aus verschiedenen Ländern Asiens und Afrikas bezogen und dann im Betrieb zur fertigen Topfpflanze herangezogen. Es werden aber auch Kulturen über Aussaat bis zum Verkauf in der Gärtnerei produziert. Unter den Abnehmer befinden sich sowohl Großhändler als auch kleine Blumenhändler.

Foto der Produktionsgärtnerei by Growers
Besichtigung der Produktionsgärtnerei by Growers

 

Die Firma Akkerup Planteskole wurde als letzter Programmpunkt angesteuert. Die Baumschule produziert Sämlinge von Laubgehölzen und Koniferen ​und Stecklinge von verschiedenen Sträuchern im Freiland. Der bevorstehende Herbstversand wurde schon in den Sortierhallen deutlich. Die ersten Paletten mit frisch gerodeten Pflanzen kündigten die zweitgrößte Arbeitsspitze, den Herbst, in einer Baumschule an. Auch in Dänemark war der vergangene Sommer sehr trocken und konnte nur durch teure Zusatzbewässerung ausgeglichen werden. Der Inhaber Preben Nielsen lud abschließend zum gemeinsamen Hotdog-Essen in der Sortierhalle seiner Firma ein. Da er in Barmstedt im Kreis Pinneberg gelernt und gearbeitet hat und er viel mit deutschen Baumschulen handelt, waren seine Deutschkenntnisse hervorragend und die Sorge der Schüler und Schülerinnen erneut unbegründet, sich mit Verständigungsschwierigkeiten konfrontiert zu sehen.

Als zertifizierte Europaschule war es erfrischend und bereichernd unseren nördlichen Nachbarn zu besuchen, andere Produktions- und Arbeitsweisen zu erleben und nicht zuletzt die besondere dänische Mentalität und Gastfreundschaft kennengelernt zu haben, die hoffentlich zu einem Gegenbesuch und weiterem europäischen Austausch führt.

Foto der Baumschule Akkerup Planteskole
In der Baumschule Akkerup Planteskole, links Mitinhaber Preben Nielsen

Zurück