Auszubildende aus dem Gastgewerbe besuchen die Partnerschule in Rothenburg ob der Tauber

Vom 15.bis 19. Mai 2017 war es wieder soweit: Schülerinnen und Schüler aus dem Gastgewerbe der Beruflichen Schule Elmshorn, Europaschule hatten die Möglichkeit an dem jährlich stattfindenden Schüleraustausch ins Weinanbaugebiet Franken teilzunehmen. Das Leitthema dieser seit 2005 jährlich stattfindenden Studienfahrt ist der Weinbau in Franken. Auch in diesem Jahr wurden wir am staatlichen Schulzentrum Rothenburg ob der Tauber herzlich empfangen.

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Bereits auf der Hinreise machten wir einen Zwischenstopp um eines der größten Weingüter Deutschlands zu besichtigen, das Bürgerspital, Würzburg. Seit 1316 mitten in Würzburg, 120 ha Rebfläche, das Bürgerspital zählt zu den größten Weingütern Deutschlands. Der Gewinn wird auch heute noch für die Pflege von Alten und Kranken verwendet, direkt über dem Keller im Spital und im Altersheim. Modernste Kellertechnik, gekühlte Stahltanks, große Holzfässer, kleine Barriquefässer, Tradition und Moderne wird in diesem VDP- Weingut großgeschrieben. In der Schatzkammer des Bürgerspital sehen wir den ältesten Bockbeutel von 1726. Aus jedem Jahrgang werden hier einige Flaschen aufbewahrt, die zu besonderen Anlässen erworben werden können. Der Keller im Bürgerspital wurde 1921/22 erbaut, damals schon mit Strom und Wasser. Das Bürgerspital produziert heute überwiegend junge und frische Weißweine, die zeitnah getrunken werden sollen. Verwendet wird ausschließlich die Klassifizierung des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP): Gutswein, Ortswein, erste Lage und große Lage.
Der zweite Tag steht im Zeichen der Geschichte und des Weinbaus in der mittelalterlichen Stadt Rothenburg o.T.. Stadtführerin Denise Fischer zeigt uns auf einem Rundgang die mittelalterliche Stadt.  Die Geschichte vom Meistertrunk, ein Gang durch den Klosterhof, und durch die Jakobuskirche sind dabei obligatorisch. Anschließend führt und die Kollegin Margit Schwandt vom Schulzentrum Rothenburg o.T. in das Reichstadtmuseum, das uns weiter in die Stadtgeschichte Rothenburgs eintauchen lässt. Hier sehen wir auch die Originalfiguren des Baumeisterhauses, das wir zuvor bei der Stadtführung betrachtet hatten.
Die traditionellen Käsespätzle im Berufsschulzentrum stärken uns, denn ein  interessanter Nachmittag mit Winzer Albert Thürauf steht vor der Tür. Der ortsansässige Winzer zeigt uns seinen Weinkeller, in dem Holzfass an Holzfass steht, die meisten 70-80 Jahre alt, aber auch ein Neues ist dieses Jahr in den Keller gekommen. Traditionell werden seine Weine überwiegend in Holzfässern ausgebaut und landen dann meist in der traditionellen fränkischen Bocksbeutelflasche. Die Etikettierung erfolgt dann erst kurz vor dem Verkauf wenn Zeit ist. Heute ist so ein Tag, aber für uns wird die Arbeit gerne unterbrochen. Qualität ist für den traditionellen und zugleich kreativen Winzer besonders wichtig, diese entsteht für ihn aber in erster Linie im Weinberg. Sein Motto ist: „Wir kreieren keinen Wein, wir wollen die Weine so wie sie sind.“  Das müssen wir uns natürlich ansehen im  1 ha großen Weinberg in Rothenburg. Auf dem Rothenburger Eich, hat er eine Sammlung von 180 Rebsorten gepflanzt, die Erhaltung alter Rebsorten ist ihm ein besonders Anliegen. Diese werden zu einem Rotling verarbeitet. Auf dem unteren Hang wächst Regent und Johanniter. Gerade jetzt treiben die Reben wieder aus, der Frost am 20. April hatte den ersten Austrieb erfrieren lassen. Aber eine Prognose für den Ertrag mag Albert Thürauf  noch nicht geben, das kommenden Monate entscheiden wie hoch der Ertrag ausfällt. Eine hohe Qualität im Weinbau wird heute mit geringen ha- Erträgen erreicht, hier in Franken ist der Ertrag auf 9000l Pro ha begrenzt, er erwirtschaftet normalerweise höchstens 7000 ha auf diesen wasserarmen Boden.
Im Mittelalter war die ganze Stadt von Weinbergen umgeben. Der Wein, meist von schlechter Qualität, wurde als Durstlöscher getrunken, Wasser war ungenießbar. Heute wird weniger Wein getrunken, daher wird auch weniger angebaut. Die Kulturlandschaft hat sich dadurch schwer verändert, die alte Terrassenanlagen verbuschen zusehends. Unser Rundgang durch den Weinberg endet im gemütlichen Weinkeller der Glocke dem Gasthaus der Familie Thürauf. Bei einer fachkundigen Verkostung lernen wir seine besonderen Rebsorten kennen, z.B.: dden Regent vom Rothenburger Eich, einen Rotling aus Tauberzell, den Albalonga, einen Rieslaner etc..
Zur Weinfahrt am Mittwoch geht es dieses Jahr nach Sommerhausen in die Sektkellerei vom Schloss Sommerhausen, dort werden wir in die Geheimnisse der Sektproduktion eingeweiht. Dann erleben wir eine besonders Verkostung von hochwertigen Schokoladen und Weinen. Der zweite Stopp bringt uns nach Auernhofen, einem kleinen Weiler mit ca. 10 Bauern, davon zwei Betriebe die an der Tauber Weinbau betreiben.  Erstaulich der Ort hat eine eigene große Kirche, diese gehört den Bürgeren. Die Väter und Großväter der heutigen Bewohner hatten diese selbst gebaut, auch heute noch wird diese aus Mitteln der Bauern renoviert und gepflegt. Wir genießen ein Barbecue und besichtigen das Weingut Stahl.  Der junge Winzer ist mit plakativen Weinbezeichnungen erfolgreich. Wir genießen hier Weine mit den Namen Federstahl oder Edelstahl oder EHL- Stahl (Zweimännerwein). Der Leitspruch des Winzers: „Alles außer Bocksbeutel“, meint keine traditionellen fränkischen  Weine, interessante Cuveés und ein junges Image.
Der Donnerstag steht in diesem Jahr ganz im Zeichen unserer dunklenVergangenheit. Wir besuchen das Dokumentationszentrum des Reichparteitagsgebäudes in Nürnberg. Die Größe dieser Anlage ist unvorstellbar und zeigt einmal mehr den Größenwahn der Nationalsozialisten. Eine ausführliche Begehung des Außengeländes und Führung durch das Dokumentationszentrum lässt uns eintauchen in die Ideologie der Nazis. Anlässlich des Themas ist die Stimmung auf dem Rückweg etwas bedrückend.
Am Abend genießen wir ein 6- Gang Menü in der Glocke mit begleitenden Weinen und den ausführlichen Erklärungen von Albert Thürauf.  Herausforderungen warten hier auf unseren Gaumen, die Speisenauswahl und die Weine dazu machen uns einmal mehr deutlich klar, wie sehr Getränke das Genusserlebnis der Speisen beeinflussen können. Im Prinzip muss man jedes neue Menü mit den entsprechenden Getränken verkosten, bevor es endgültig auf die Speisekarte schreibt.
Freitag früh heißt es packen: Rückfahrt aber wieder zunächst ein Zwischenstopp in Würzburg. Dort erwartet uns eine Führung im staatlichen Hofkeller Würzburg, dieser altehrwürdige Weinkeller von   unter der Residenz der Stadt Würzburg ist Museum und lebendiger Weinkeller zugleich.  Erbaut 1719-1724 in nur 5 Jahren werden hier nach wie vor die Weine des Staatsweingutes bereitet. Wir gehen vorbei an vielen 6 Stückfässern (1200 Liter). Der Klimawandel ist ein wichtiges Thema über das wir hier sprechen. Es wird zu warm und gibt zu wenig Wasser auf den Weinbergen, z.B.: dem berühmten Würzburger Stein. Bewässerung sieht man im staatlichen Hofkeller nicht als Lösung an, eher Rotweinreben anstelle von Weißweinreben. Glücklich und voller Wissen besteigen wir am Nachmittag der Zug Richtung Elmshorn.

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